überlegungen

“…die Brücke zwischen dem ich und dem anderen bedeutet nicht Ähnhlichkeit, sondern Verschiedenheit. Was uns verbindet ist keine Brücke, sondern ein Abgrund. Der Mensch ist pluralisch: die Menschen…” Octavio Paz: Es geschieht immer etwas mit uns. Entweder indem wir eine Handlung vollziehen -gekoppelt mit entsprechenden Überlegungen- oder in dem wir in Situationen hineingezogen werden, die über uns verfügen. Um es mit Luhmannischen Worten auszudrücken, mich interessiert die zweite Beobachterstufe, nämlich: wie operiere ich als Beobachter mit der Frage, wie passiert was? Aber auch was passiert mit meinem Dasein? Wie lasse ich Bilder mit meiner eigenen Sprache enstehen? Was erfahre ich dabei? Es sind diese Fragen, die mich in den Performances interessieren und ich versuche, indem ich daran arbeite darauf eine Antwort zu finden. Was mich ebenfalls an der Perfomancekunst reizt, ist – im Unterschied zu anderen Kunstgattungen – dass sie im Hier und Jetzt lebt, einen ephemeren Charakter hat, dass sie einmalig ist, und, dass sie über eine Durchlässigkeit verfügt. Ich bewege mich in einer Spaltung zwischen zwei Welten, zwischen Dekonstruktion und Simulation, zwischen der Vermählung von Raum und Zeit der Vergangenheit und der Gegenwart. Ich bewege mich in einem binären System -Privatheit und Öffentlichkeit, Leben und Tod, Mexiko und der Schweiz, Ekstase und Depression-. Diese Dualität wandert mit mir und es erinnert mich wo ich herkomme aber es erinnert auch daran wo ich mich -jetzt und hier- befinde. Die Vergangenheit kommt immer wieder, denn sie ist eine verborgene Gegenwart, pflegte Octavio Paz zu sagen. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit- Gegenwart zeichnet insofern eine Bessesenheit dieser zwei Welten in meiner Performancearbeit.

Mit Vergangenheit meine ich nicht unbedingt die vergangene Zeit als solche, sondern eher metaphorisch auf meine mexikanische Herkunft bezogen. Gemein ist all das, was mich in meiner Kindheit und Jugend, als ich noch in Mexiko lebte, geprägt hat und das ich in mir trage. Erlebnisse und Erfahrungen, Familie und Freunde, Bräuche und Sitten, meine Muttersprache, etc. sind Elemente die bei mir immer noch lebendig bleiben und mit denen ich immer wieder und auf irgendwelche Art mit meiner jetzigen Realität konfrontiert werde.

 

©maricruz peñaloza